Psychotherapeuten in Ausbeutung (PiA) II – Der Klageweg

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Die PiA Seite „World of PiA“ beschäftigt sich mit Themen, die für #Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) relevant sind.

Für und mit Lena und Barbara gemeinsam habe ich als Gast dort einen Infotext erstellt, der die wichtigsten Informationen über die Möglichkeit, einen angemessenen Lohn für die Arbeit in Kliniken im Rahmen der praktischen Tätigkeit vor Gericht einzuklagen, enthält.

Während andere Berufszweige ein höchstinstanzliches Gerichtsurteil über die Unrechtmäßigkeit der finanziellen Ausbeutung von PiA in Kliniken, welches der eigene Nachwuchs erstritten hat, wahrscheinlich feiern und deren Berufsverbände es ermutigend an ihren Nachwuchs weitergeben würden, herrschen im Bereich PiA das große Schweigen, irrationale Ängste, Unterordnen in rechtswidrige Bedingungen von Klinikkonzernen.

Teilweise wird gar mit tendenziösen Schriften in Berufsverbänden dem Nachwuchs vermittelt, es besser sein zu lassen – und dies leider in Teilen auf einer fehlerhaft wiedergegebenen Fakten- und Rechtslage. Natürlich ist es richtig, dass Berufsverbände ihren Nachwuchs seriös und auch über mögliche Risiken und Unsicherheiten aufklären. Dass aber ein Gerichtsurteil der höchsten Instanz im Arbeitsrecht, das eine PiA Kollegin erstritten hat, so wenig positive Beachtung erfährt und das Negative in den Vordergrund gerückt wird, ist schon aller Hand. All das ist mir vollkommen unbegreiflich und kann nur Ausdruck einer generell konfliktvermeidenden Haltung im Berufsfeld sein.

Zu dem Thema habe ich vor einer Weile schon einmal meine Gedanken in diesem Beitrag aufgeschrieben.

 

One Comment

  1. Monika Schröder

    Liebe KollegInnen,
    vor sehr langer Zeit habe ich während meines Psychologiestudiums bereits feststellen müssen, dass die Psychologiestudenten und auch die fertigen (könnte man zweideutig auslegen) Psychologen oft nahezu überangepasst und ängstlich wenig kampfesbereit sind. Das betraf, wie ich damals wie heute beobachte, sowohl die nicht oder kaum vorhandene Bereitschaft, für eine Sache lautstark aufzustehen, zu kämpfen als auch ein wenig ausgeprägtes kiritisches Bewusstsein dem eigenen Fach gegenüber. Im Klartext: Ich erlebe die Psychologen als angepaßt, ängstlich und unkämpferisch, man könnte sagen, stromlinienförmig. Hinzu kommt, wie ich später erlebte, eine den Medizinern gegenüber unangenehm devote Haltung. Nun ist Gesellschaftskritik oder der Ansatz dazu, im Psychologiestudium kaum vertreten. In der Therapieausbildung – wie auch später in der therapeutischen Tätigkeit – geht es zumeist (auch) darum, Menschen den gesellschaftlichen Normen wieder anzupassen, was dem Grunde nach nicht verkehrt ist, wir wollen niemanden zum Politrevoluzzer umerziehen, Anpassungsfähigkeit und gehört zur psychischen Gesundheit dazu. Doch der eingeschränkte, ausschleßlich auf das Individuum beschränkte Blick unserer Disziplin und die dabei vernachlässigte Sicht auf gesellschaftliche Zustände – und damit auf mögliche gesellschaftliche Entstehungsgründe psychischer Krankheiten – formt möglicherweise die Psychologen und Psychotherapeuten zu stark. Vielleicht studieren aber genau jene Menschen Psychologie, die aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls zum Duckmäusertum neigen. Wenn dann Verunsicherungen hinzukommen, die einer mehr oder minder ausgeprägten psychischen Krankheit geschuldet sind, wird es schwierig. Wir haben natürlich in unserer verhältnismäßig jungen Wissenschaft nicht die Lobby, auf die etwa Mediziner zurückgreifen können. Meine Rede ist diesbezüglich aber schon seit langem: Wer sich als Psychologe den Ärzten so sehr unterlegen fühlt, dem sei anzuraten mit dem guten NC, den wir Psychos ja vorweisen müssen, gleich Medizin zu studieren. Dann bekommt er viel gesellschaftliches Ansehen, Vorschusslorbeeren, eine leicht zu erreichende Dissertation mit großer Wirkung und zudem die Möglichkeit Psychotherapeut zu werden. Ja, das ist bekannt, nur manchmal gerät es, wie mir scheint, bei den Psychologiestudenten in Vergessenheit.
    Uns anderen, die diesen Weg nicht gehen wollten oder werden, empfehle und wünsche ich mehr Selbstbewußtsein und Kampfeswillen. Es geht um uns. Wir sind immerhin Vollakademiker. Wir dürfen – ohne gleich hybrid zu werden – durchaus stolz auf unsere akademischen Stand sein.

    Ich frage mich, wie lange es nun wieder dauern wird, bis die Psychologen und deren Berufsvrbände wie etwa der BDP, es hinbekommen, sich nicht mit dem neuen Gesetzesentwurf zur universitären Psychotherapeutenausbildung „über den Tisch ziehen zu lassen“. Wie konnte es nur geschehen, dass die Psychologen sich jahrzehntelang nachgerade kampflos zu Billist-Kräften oder Null-Tarif-Kräften haben degradieren lassen. In Hamburg sagt man: „Wer sich als einen Pannkauken verkauft, wird auch als ein solcher gegessen“.
    Warum bitte nicht endlich einen bundesweiten Generalstreit aller PiA mahen? Nichts, aber auch nichts spricht dagegen, sondern alles dafür. Und bitte ohne Vergißmeinnicht-Formation – gebildet von blau gekleideten und flach auf dem Boden liegenden PiAs. Das ist mir zu devot, passt aber leider ins Bild. Ich sage dieses ungern und weiß, dass ich Gefahr laufe, denen die nicht in meine Beschreibung passen, unrecht zu tun. Dennoch – ein wenig „Randale“ zu machen, täte unserer Sache gut.
    Liebe Grüße
    an die Psychos

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